Große OÖ Kinder-Bildungs-Demo
Am Freitag, 16. Oktober 2026 zogen Kinder, Jugendliche, Eltern, Pädagog:innen und viele Unterstützer:innen durch Linz. Die bundesweite Elterninitiative eikib, die sich für Kinder mit besonderem Bedarf einsetzt, hatte zur Großen OÖ Kinder-Bildungs-Demo aufgerufen. Unter dem Motto „Bildung für alle – statt Chancen für wenige“ ging es um 14.30 Uhr vom OK-Platz über die Landstraße zum Hauptplatz. Die Demo war Teil des österreichweiten Aktionstags von Aktion Bildung. eikib forderte vor allem, die Stunden für Pädagog:innen in der Sonderpädagogik sofort auf den tatsächlichen Bedarf anzuheben. Der Bund finanziert seit 1992 nur rund die Hälfte davon. Dazu geht es um einen Rechtsanspruch auf Förderung und Assistenz für jedes Kind und mehr Unterstützungspersonal an den Schulen.
Kein Kind darf zurückgelassen werden!
UN:LOCKJU wurde eigeladen sich zu beteiligen und bei der Abschlusskundgebung am Hauptplatz auf eine Gruppe hinzuweisen, die in der Bildungsdebatte kaum vorkommt: Kinder und Jugendliche, die wegen ME/CFS oder Long Covid haus- oder bettgebunden sind und derzeit überhaupt keinen Unterricht bekommen. Einige Eltern haben uns dabei tatkräftig unterstützt. Thomas und Birgitta haben unseren Redebeitrag am Hauptplatz vorgetragen. Danke euch beiden, das war großartig!
In der Rede ging es primär um die Kinder und Jugendlichen, die nicht beschult werden, weil sie haus-oder gar bettgebunden sind. Vielen können trotz der schweren Erkrankung ME/CFS lernen, zuhause, in Ruhe und mit vielen Pausen (Pacing). Unsere Tafeln brachten es auf den Punkt: Zu krank für die Schule. Nicht zu krank zum Lernen!
Schule ist für diese Kinder oft der letzte Faden zum Leben Gleichaltriger. Doch während der Staat normalerweise genau auf die Unterrichtspflicht achtet, fühlt sich niemand verpflichtet, ein Kind zu unterrichten, das die Schule nicht betreten kann. Es gibt keine zuständige Stelle, kein Gesetz und keine Lehrkraft für sie. Ob ein Kind beurteilt wird, wenn es nur die Schularbeiten an der Schule schreibt und sonst zu Hause lernt, hängt derzeit vom Wohlwollen einzelner Direktionen /Lehrkräften ab. Den Stoff müssen meist die Eltern alleine vermitteln, neben Pflege und Beruf. Wo das nicht mitgetragen wird, gilt: ohne Anwesenheit keine Beurteilung. Kinder wiederholen dann Klassen, oft mehrmals. Im Krankenhaus oder auf Reha gibt es selbstverständlich Unterricht durch die Heilstättenschule. Liegt dasselbe Kind schwerkrank zu Hause im Bett, gibt es nichts. Das Recht auf Bildung endet in Österreich an der Haustür!
Darum fordern wir von Bund und Land:
Der Staat übernimmt die Verantwortung für die Bildung von Kindern, die die Schule nicht besuchen können, mit einem Erlass des Ministeriums und Case-Management in jeder Bildungsdirektion. Aus der Unterrichtspflicht muss ein einklagbares Bildungsrecht werden.
Eine staatliche Online-Schule nach dem Vorbild der Heilstättenschule, mit eigenen Lehrkräften, Lernpaketen für die Zeiten, in denen Energie da ist, und reizarmem Einzel- oder Kleingruppenunterricht. Frankreich macht das seit Jahrzehnten, Österreich kann das sicher auch!
Einheitliche angepasste Rahmenbedingungen an allen Schulen, etwa auch Schularbeiten zu Hause und die Möglichkeit, Fächer schrittweise abzuschließen, statt Klassen zu wiederholen.
Wissen über ME/CFS für alle Lehrkräfte, damit kein krankes Kind mehr als faul oder schulverweigernd abgestempelt wird.
Unsere Kinder wollen Schülerinnen und Schüler sein. Recht auf Bildung, trotz Krankheit! Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen!
Es war eine kraftvolle, berührende und sehr gut organisierte Veranstaltung, von der wir sehr hoffen, dass sie politisches Gehör findet und endlich passende Rahmen folgen!
Vielen herzlichen Dank an die engagierte Gerti, Frau Mag. Gertrude Riegler, Sprecherin von Eikib und ihr Team: www.eikib.at



